Festakademie zum 300. Geburtstag des Placidus von Camerloher

Placidus von Camerloher (1718-1782) gehört zu den bedeutendsten Komponisten des späten 18. Jahrhunderts im bayerischen Raum. Von 1745 bis zu seinem Tod war er in Freising Hofkapellmeister und Komponist. Der Landkreis Freising würdigt ihn nun im Oktober mit einem eigenen Festival zu seinem 300. Geburtstag. „Camerloher musizierte, komponierte, dirigierte und lehrte, er war eine musikalische Autorität, die weit über die Bischofsstadt Freising hohes Ansehen genoss“, sagte Landrat Josef Hauner in seinem Grußwort zur Festakademie in der Aula des nach dem Meister benannten Camerloher-Gymnasiums. Diese bildete am Donnerstagabend den Auftakt.

 

„Unser Festival will unseren Hofkapellmeister ins Bewusstsein zurückholen“, sagte Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge. Im Mittelpunkt standen Vorträge zu Leben und Werk Camerlohers von Goerge sowie der beiden Freisinger Spezialisten für Barockmusik, Sabina Lehrmann und Christoph Eglhuber. Professor Wilfried Stroh gewährte Einblicke in die neueste Camerloher-Forschung. Erst im Laufe der Vorbereitungen hatte man festgestellt, dass die Freisinger Barock-Oper „Comedia Frisingana“ nicht wie lange Zeit gedacht von Camerloher komponiert worden war, dass sie aber aus Freising stammen muss.

 

„Seine Musik sind Kleinodien des 18. Jahrhunderts“, sagte Andrea Bliese, Leiterin des Camerloher-Gymnasiums. Und sie seien „Tore, die junge Menschen in die Wunderwelt der Musik hineinführen“. An ihrer Schule werde „mit Liebe und Einsatz die Liebe zur Musik ins Herz gepflanzt“. Und daher kam es nicht von ungefähr, dass die Festakademie musikalisch umrahmt wurde von 220 Schülerinnen und Schülern des Camerloher-Gymnasiums. Dabei waren ausgewählte Werke der Kirchen-, Orchester- und Kammermusik aus dem breiten Schaffen des Komponisten zu hören.

 

Zwei Opernaufführungen

Höhepunkt der Geburtstagsfeierlichkeiten ist die szenische Aufführung der einzigen erhaltenen Freisinger Benediktiner-Oper, die unter dem Titel „Comedia Frisingana“ überliefert ist. Sie wird am Samstag, 6. Oktober, und am Sonntag, 7. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr ebenfalls in der Aula des Camerloher-Gymnasiums aufgeführt.

 

Derartige Opern bildeten im 18. Jahrhundert den Höhepunkt und Schluss eines Schuljahres am Benediktiner-Lyceum in Freising und wurden in der dortigen Aula, dem heutigen Asamsaal, aufgeführt. Die  lateinischen „Comedien“ bestanden meist aus drei Akten mit einem gesprochenen Teil und einem durchkomponierten Musiktheater. Sie wurden von Schülern, Studenten und Professoren unter Mitwirkung von Hofmusikern und Kapellknaben des Domes dargeboten. Über 100 solcher Schulspiele gingen in Freising über die Bühne.

 

Camerlohers reiches Schaffen umfasst neben Kirchen-, Orchester- und Kammermusik auch Kompositionen für das Musiktheater. Stilistisch steht der Komponist an der Schwelle vom Spätbarock zur galanten Musik der Frühklassik. Auch für rund 20 Schulspiele hat Camerloher die Musik geschrieben. Von den meisten Musiktheaterstücken blieben indes nur „Periochen“, eine Art Programmhefte mit Inhaltsangabe und den Namen der Mitwirkenden, und in seltenen Fällen auch Textbücher erhalten. Sämtliche dazu gehörigen Musikstücke gingen verloren.

 

Ausnahme: die „Comedia Frisingana“, deren Musik und Text vollständig überliefert sind. Als Vorlage für das Libretto, das der Weihenstephaner Benediktiner-Pater Gabriel Liebheit gedichtet hat, diente die Geschichte von Abraham und Isaak aus dem Alten Testament, die mit der tragischen Geschichte japanischer Märtyrer verknüpft ist.

 

Bis vor wenigen Wochen hielten alle Musikwissenschaftler seit Jahrzehnten Camerloher für den Urheber dieses Werkes. Doch nun entdeckte der Lateinprofessor Stroh bei seinen Nachforschungen, dass die Musik von dem Münchner Komponisten und Hoforganisten Petrus Lapierre stammt.

 

Das Freisinger Festival präsentiert das noch unbekannte, einzigartige Stück Freisinger Musiktheaters als abendfüllende Oper in historischer Aufführungspraxis, nicht nur hinsichtlich musikalischer Konzeption, sondern auch, was die Inszenierung, Ausstattung und Gestik betrifft. Das gesamte Notenmaterial wurde eigens neu herausgeben und der lateinische Text von Professor Stroh ins Deutsche übersetzt.

 

Als Solisten konnten Roswitha Schmelzl (Sopran), Martina Koppelstetter (Alt) und Benedikt Heggemann (Tenor) gewonnen werden. Der Freisinger Sänger Benedikt Eder (Bass) ist in der Hauptrolle des Abraham zu sehen. Das Barockorchester „Neue Freisinger Hofmusik“ musiziert zusammen mit Sabina Lehrmann auf historischen Instrumenten. Die musikalische Leitung hat Christoph Eglhuber. Regie führt Jadwiga Nowaczek, eine ausgewiesene Spezialistin für barocken Tanz, barocke Gestik und barockes Musiktheater.

 

Im Rahmen der Festakademie wurde eine neue CD vorgestellt, die Eglhuber, ein Spezialist für historisches Lautenspiel, mit Camerlohers gesamten Lautenkompositionen aufgenommen hat. Der Hofkomponist hat nämlich für seinen Dienstherrn, den Fürstbischof Johann Theodor von Bayern, zahlreiche Lautenwerke komponiert. Eine Festschrift mit allen Vorträgen und allen Informationen zur Opernaufführung ist beim Festival erhältlich.

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